Elternschaft - der Spiegel unserer selbst

Viele Mamas und Papas wünschen sich eine liebevolle und tiefe Beziehung zu ihren Kindern. Eins ist klar: Die meisten Eltern lieben ihre Kinder! Und doch wird der Alltag oft von Machtkämpfen begleitet.


Kinder zeigen uns unsere Begrenztheit auf, wie es kaum ein anderer kann. Machen unsere Knirpse was sie wollen, antworten sie auf jedes gut gemeinte Wort mit einem «Nein!» oder scheinen sie uns nicht zuzuhören, kann das unseren Geduldsfaden zerreissen. Wir schimpfen dann mit unseren Kindern, werden laut, drohen mit Konsequenzen - die wir sogar umsetzen -, bestrafen und merken im nächsten Atemzug, dass etwas schiefläuft. Wir fühlen es ganz klar; die Beziehung zu unseren Kindern leidet.


Nach einem solchen Ereignis wartet das schlechte Gewissen um die nächste Ecke und wir schämen uns für unser Verhalten. Wir nehmen uns ganz fest vor, beim nächsten Mal besser zu reagieren. Und was passiert beim nächsten oder übernächsten Mal? Kocht unser Wutmonster wieder hoch, nützen alle guten Vorsätze nichts und wir geraten wieder ins schimpfen, drohen oder bestrafen.


Triggerwarnung!


Es ist so wertvoll, die abgeflammte Wut genauer zu betrachten. Was triggerte uns eigentlich? Welche Ereignisse spielten sich vor der Eskalation ab? Analysieren wir die Situation und schauen etwas weiter zurück, merken viele, dass sie schon zig Mal während dem Tag - oder während Wochen, Monaten oder sogar Jahren - über ihre eigenen Grenzen gingen. Bei genauerem Hinsehen fällt auf, dass die Schuld an unserer Wut gar nicht beim Kind lag. Eigenen Bedürfnissen wie Erholung, Ruhe oder Selbstbestimmung wurde zu wenig Beachtung geschenkt. Weil wir unsere Kinder so sehr lieben, gewichten wir ihre Bedürfnisse höher als unsere und übergehen unsere Integrität.


Klare Grenzenkommunikation

Kommunizieren wir unseren Kindern unsere Grenzen dann, wenn unser inneres Alarmsystem bereits auf rot schaltet, ist es fast unmöglich, liebevoll und auf Augenhöhe mit unseren Kindern umzugehen. Deshalb ist es so wichtig, dass wir unsere Bedürfnisse besser kennenlernen, sie ernst nehmen und achtsam damit umgehen. So werden uns unsere Grenzen rechtzeitig bewusst und wir können diese unserem Kind gegenüber kommunizieren, ohne es in seiner Persönlichkeit zu verletzen. Gleichzeitig leben wir vor: Zu lieben heisst, auch liebevoll mit sich selbst umzugehen.


Der Trampelweg ist anstrengend - aber lohnenswert!


Es wäre utopisch von sich zu erwarten, die eigenen Grenzen von nun an sofort zu erkennen. Vielmehr handelt es sich um einen Weg, den wir einschlagen und auf dem wir einen achtsamen Umgang mit uns selbst trainieren dürfen. Manchmal stolpern wir auf unserem Weg oder verstauchen den Knöchel. Ein Kind das laufen lernt, trainiert über lange Zeit, fällt hin, steht auf und geht wieder weiter. So dürfen auch wir mit unserer eigenen Entwicklung geduldig umgehen.

Ich mag diesen Vergleich sehr: Ein Trampelweg ist ungewiss. Wir müssen uns den Weg selber frei machen, weil niemand zuvor ihn gegangen ist. Eine Autobahn würde sich viel leichter befahren lassen, denn sie wurde schon von vielen Menschen vor uns benutzt.


Vielleicht gehörst du zu denjenigen, die merken, dass da noch mehr als diese Autobahn ist. Ich ermutige dich dazu, deinen Trampelweg zu suchen und ihn für die Menschen nach dir zu ebnen.


Ich wünsche dir in deiner Elternschaft von Herzen, dass du dich mit Gottes Augen sehen kannst: geliebt, wertvoll und gewollt!


Alles Liebe


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