Interview mit «inBindung» - geliebt, auch wenn es Grenzen gibt

«inBindung» ist der christliche Podcast für bindungs- und bedürfnisorientierte Erziehung. Erfahre im Interview mit Marina, weshalb sie und ihr Team an einen liebevollen, empathischen Gott glauben, der durch sein Beispiel zeigt, wie bedürfnisorientierte Beziehung gelebt werden kann.

Arabelle: Wer steckt hinter «inBindung» und was hat euch dazu bewegt, diesen Podcast ins Leben zu rufen? Marina: Wir sind fünf Mamas aus ganz Deutschland, die sich teilweise noch nie persönlich getroffen haben. Drei von uns sind Lehrerinnen, zwei Sozialarbeiterinnen. Wir sind auf unterschiedlichen Wegen auf den bindungsorientierten Erziehungsansatz gestossen. Unabhängig voneinander waren wir begeistert, weil er unserem Gottesbild und seiner Art, mit uns umzugehen, entspricht.


Auf unerwartete Weise haben Julia und ich uns über das Internet kennengelernt. So entstand der erste Kontakt. Innerhalb von wenigen Wochen starteten wir eine WhatsApp Gruppe, in der wir uns zu fünft intensiv über Kindererziehung und unser Gottesbild austauschten. Bald darauf eröffneten wir den Instagramkanal «inBindung». Dieser war uns irgendwann nicht mehr genug und die Idee eines Podcast entwickelte sich. Wir hatten einerseits das grosse Bedürfnis, diese heilende Botschaft in die christlichen Heime zu bringen. Andererseits motivierte uns unsere Begeisterung und Freude, die aus all dem entsprang.


Arabelle: Was ist bindungs- und bedürfnisorientierte Erziehung? Weshalb ist euch dieses Thema so wichtig? Marina: In erster Linie handelt es sich um eine Haltung. Es ist die Haltung, wie du mit Menschen umgehen möchtest, wie du deinen Nächsten sehen und behandeln willst und eben auch im Konflikt, wenn deine Grenzen übertreten werden. Es geht darum, raus aus der Verurteilungshaltung zu kommen. Das wird zum langfristigen Frieden führen. Wenn dein Kind immer wieder merkt, dass es gesehen wird und seine Gefühle nicht immer wieder übergangen werden, wird es Sicherheit fühlen und merken, dass die Bindung immer bestehen bleibt, auch wenn gerade ein Konflikt vorliegt. Es bedeutet nicht, dass dein Kind immer bekommt, was es möchte. Es darf lernen, wie es sich mit dem Frust versöhnen kann und dass es damit nicht allein klarkommen muss.

Bindungsorientierte Erziehung funktioniert nicht, weil es eben nicht ums Funktionieren des Kindes geht, sondern um die Beziehung.

Unser Ansatz ist keine Erziehungsstrategie. Man könnte Empathie als Strategie nutzen, um das Kind dahin zu manipulieren, das zu tun, was man von ihm will. Das ist jedoch weder authentisch noch ehrlich. Bindungsorientierte Erziehung funktioniert nicht, weil es eben nicht ums Funktionieren des Kindes geht, sondern um die Beziehung. Es geht um das beständige Signal ans Kind: «Du bist geliebt, auch wenn es gerade einen Konflikt oder eine Grenze gibt, und ich bleibe auf deiner Seite.» Wir erlebten, dass diese Haltung heilt und befreit, den Blick auf Gott verändert und auch andere Beziehungen wiederherstellt. Wir sind von dieser Botschaft der Liebe mehr als begeistert. Arabelle: Viele Menschen wurden durch verhaltensorientierte Erziehung grossgezogen. Immer wieder höre ich von dieser Generation, dass die Strenge der Eltern nicht schadete. Was denkt ihr darüber?


Marina: Oh ja, das hören wir auch sehr oft. Leider offenbaren diese Aussage genau das Gegenteil. Erwachsene, die ein bedürftiges Kind mit schwächerem Status auf dieser Weise begegnen, zeigen keine Empathie. Die Härte in ihrer eigenen Kindheit war zu schmerzhaft, sodass sie unsensibel für ihre Vergangenheit und ihre eigenen Verletzungen aus der Kindheit geworden sind. Dies verhindert, dass sie als Erwachsene ihren Kindern Empathie schenken können. Sie kommen meist nicht mit den starken Gefühlen von Kindern klar, weil sie selbst nicht fühlen durften. Um aus dieser Haltung zu kommen, erfordert es die Bereitschaft, sich selbst und seine Glaubenssätze zu reflektieren. Wir freuen uns über jeden älteren Podcasthörer, der dafür bereit ist.

Arabelle: Kinder bindungs- und bedürfnisorientiert zu erziehen ist zeitaufwändig. Wie bringt ihr diesen Erziehungsstil, Job und Beziehung unter einen Hut? Marina: Schwierige Frage. Es ist in der Tat kräfteraubend, sich mit seinen eigenen Glaubenssätzen auseinanderzusetzen, neue Denkstrukturen und Handlungsstrategien zu schaffen und das Gehirn neu zu programmieren. Aber gleichzeitig behaupte ich, dass die harte, verhaltensorientierte Erziehung ebenso viel Kraft kostet. Ich selbst habe meinen Sohn bis vor zwei Jahren stark verhaltensorientiert erzogen - das hat die ganze Familie an ihre Grenzen gebracht. Ich glaube, je länger man das durchzieht, umso anstrengender wird es. Die Kinder wachsen irgendwann aus dem Machtgefälle heraus und lassen sich dann gar nichts mehr sagen. Bei der bindungsorientierten Erziehung darf man darauf vertrauen, dass die Beziehung im Kind andere Früchte schafft. An dieser Vision halte ich mich fest. Arabelle: Was wünscht ihr euch für die Zukunft eurer Kinder?

Marina: Wir wünschen uns, dass unsere Kinder ihr Potenzial, was in sie gelegt wurde, entfalten können, und dass sie Gott als liebenden Vater erleben und ihn genauso lieben. Dass sie stark, selbstbewusst und mit einem guten Selbstwert in die Welt gehen, um die Welt durch die Liebe Jesu zu verändern. Hier geht’s zum Podcast von «inBindung». Folge «inBindung» auch auf Instagram.

Von Herzen empfehle ich dir den «inBindung» Podcast weiter. Die Erkenntnisse, die Marina und ihr Team teilen, haben meinen Blick auf Kinder liebevoll erweitert und fordern auf eine positive, heilende Art und Weise im heraus.

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