Matchentscheidend: woraus ziehst du deinen Wert?

Das ist eine Frage, die ich mir selbst immer wieder stelle und merke, dass sich mein Herz schnell von ungesunden Dingen ablenken lässt. Es lohnt sich, diese Frage etwas tiefer zu bewegen. Schliesslich sind wir als Christen zur Freiheit berufen!


Während meiner Zeit mit Gott habe ich Folgendes festgehalten: «Ich darf mich selbst von ganzem Herzen lieben, mich schön finden und liebevoll mit mir umgehen. Erst wenn ich diesen gesunden und wertschätzenden Umgang mit mir selbst finde, entwickelt sich die Fähigkeit, mich anderen Menschen gegenüber ehrlich und authentisch zu öffnen. So lange ich mich selbst nicht vollkommen annehme, werde ich andere (unnötig) kritisieren und keinen ehrlichen und würdigenden Umgang mit ihnen finden. Bleibt die eigene Unzufriedenheit, wird das Herz damit beschäftig sein, beim Gegenüber negative Punkte zu entdecken. Doch diese Sicht wird meinen eigenen Mangel niemals ausfüllen. Zurück bleiben Unzufriedenheit, Verbissenheit, Bitterkeit oder innere Leere.»

«Ich kann meiner wahren Herzenshaltung nicht aus dem Weg gehen, sie wird mich immer wieder einholen.»

Wie gehst du mit etwas Wertvollem um?


Stell dir einmal vor, du bekommst ein teures Schmuckstück geschenkt. Ziemlich sicher wirst du dieses vor Situationen schützen, in denen es kaputt gehen könnte oder schmutzig wird. Vielleicht würdest du dieses Schmuckstück nur zu speziellen Anlässen tragen. Auf jeden Fall würdest du liebevoll und wertschätzend damit umgehen.


In Gottes Augen bist du noch viel kostbarer als ein teures Schmuckstück. Du bist für ihn so kostbar, dass er seinen einzigen Sohn hingab. Gott hat uns wertvoll erschaffen und sieht uns durch Jesus Christus in völliger Perfektion.


So oft tun wir Dinge, um uns dadurch wertvoll zu fühlen. Viellicht ist es der Ruhm und die Anerkennung, die uns antreiben. Es gibt viele Beweggründe. Gottes Wille sieht aber anders aus. Er möchte, dass wir aus dem wertvoll-sein heraus schaffen und nicht umgekehrt. Dazu müssen wir unseren eigenen Wert kennen. Hätten mehr Menschen das Bewusstsein, dass sie ohne Leistung wertvoll sind, könnte eine Menge Minderwert, Streit oder sogar Krieg verhindert werden.


Woraus ziehe ich meinen Wert?


Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füsse gewaschen habe, so sollt auch ihr einander die Füsse waschen, denn ein Vorbild habe ich euch gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Der Knecht ist nicht grösser als sein Herr, noch der Gesandte grösser als der ihn gesandt hat. Wenn ihr das wisst, glückselig seid ihr, wenn ihr es tut! Johannes 13, 13 - 17

Die Füsse zu waschen war zu Lebzeiten Jesu die niedrigste Arbeit, die ein Mensch ausführen konnte. Die Menschen liefen den ganzen Tag barfuss oder in Sandalen umher. Ihre Füsse waren sehr schmutzig und voller tiefer Risse. Jesus verbrachte viel Zeit mit seinem Vater und kannte seinen Wert. So war es ihm möglich, den niedrigsten Dienst auszuführen, den es zu seiner Zeit gab.


Es gibt einfache Fragen, die offenbaren, mit welcher Herzenshaltung wir Aufgaben ausführen. Dienen wir auf allen Stufen oder verzichten wir lieber auf niedrige Arbeiten? Führen wir jede Aufgabe aus, auch wenn keiner sieht, was wir machen? Bevorzugen wir Arbeiten, die uns Ruhm und Ehre verschaffen?


Herzenshaltung in Ungerechtigkeit


Mit «wahrlich, wahrlich» beginnt Jesus Aussagen, die ihm besonders wichtig sind. Er spricht: «Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Der Knecht ist nicht grösser als sein Herr, noch der Gesandte grösser als der ihn gesandt hat. Wenn ihr das wisst, glückselig seid ihr, wenn ihr es tut!»

«Der Knecht ist nicht grösser als sein Herr, ...»

So wie ich diese Bibelstelle verstehe, spricht Jesus die Beziehung zwischen Opfer und Täter an. Bestimmt kennst du das: jemand tut dir grosses Unrecht und du fühlst dich verletzt, hintergangen und ausgenutzt. Du klagst über die Person, die dir Schlimmes antat und beteuerst dabei, wie ungerecht das Ganze ist.


Diese Haltung ist menschlich gesehen völlig normal und doch entdecke ich etwas Gefährliches: wir begeben uns in die Opferrolle. Sehen wir uns als Opfer, überheben wir uns über den Täter. Wir stellen uns als etwas Besseres dar oder unsere eigene Unzulänglichkeit spielt auf einmal keine Rolle mehr. Die Schuld ist beim Täter und die Unschuld beim Opfer. Doch Jesus sagt, dass der Knecht (das Opfer) nicht grösser ist als sein Herr (der Täter). Jesus rechtfertigt damit nicht die Tat des Täters. Aber er weist daraufhin, welche Verantwortung wir auch als Geschädigte tragen.


Kommen uns Situationen gelegen, in denen uns Unrecht passiert, weil wir Aufmerksamkeit erhaschen können? Oder weil wir den Täter schlechtreden können? Freut es uns innerlich, wenn ein anderer Fehler macht und wir mit einem Saubermannimage glänzen?


Die Frage, woraus wir unseren Wert ziehen, ist matchentscheidend


Fühlen wir uns nur wertvoll, wenn wir besser als andere sind oder grossartige Leistungen erbringen, betrügen wir unser Herz. Es wird uns so nicht gelingen, das leichte Joch Jesu zu tragen. Aber das Wunderbare ist, dass wir immer wieder umkehren können und jeden Tag die Möglichkeit haben, eine neue Richtung einzuschlagen.


So steht nun fest in der Freiheit, zu der uns Christus befreit hat, und lasst euch nicht wieder in ein Joch der Knechtschaft spannen!

Galater 5, 1


Alles Liebe


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